Sigma300-800 

Dieses häufig als (etwas einfältig) "Sigmonster" titulierte Objektiv taucht immer wieder einmal in diversen Foren auf, wobei Fragen nach der Qualität  im Vordergrund stehen. Dazu wird meist auch irgendein Referenzobjektiv genannt, mit dem man gern einen Vergleich hätte. Wie sinnvoll es ist, ein Zoom einer Festbrennweite gegenüberzustellen, ist schon hinterfragenswert, aber ich möchte trotzdem diesen Versuch machen und stelle es meinem Canon EF 500mm 1:4,5 L gegenüber.

 

Jawohl - ich bin so ein Spinner (oder Glückspilz), der beide Objektive besitzt. Wenn die 4 Kinder außer Haus sind und man langsam auf die 70 zugeht, kann man sich plötzlich manchen lang gehegten Traum erfüllen. Aber wieso 2 solche Objektive??

 

Eines Tages war es soweit, daß ich als Fotgraf und Video-Filmer mir das Canon EF 500 leisten konnte, um endlich Fotos und auch Videoaufnahmen in neuen Abbildungsmaßstäben zu realisieren. Speziell bei Videoaufnahmen stößt man damit in Dimensionen vor, die mich immer wieder begeistern! Schließlich erweitert man mit einer Canon XL H1 den Brennweitenbereich aufgrund des 1/3 Zoll CCDs auf das 7,2-fache (bei 16:9), das sind 3,6 m (!) Brennweite auf Kleinbild bezogen. Ich kann also meinen Vogel formatfüllend aufnehmen ohne ihn wirklich zu stören. Das ist für den Naturfreund beglückend! Doch dann kommt bisweilen das "aber"...

...aber was mach ich jetzt, wenn ein Objekt - das ist bei mir meist ein Tier - zu nahe ist (oder kommt) und ich weiß: so eine Gelegenheit krieg ich so schnell nicht wieder und ich krieg nicht mehr alles in den Sucher!  Da hab ich schon manche Selbst-Gespräche geführt, wobei es gut war, daß sie sonst niemand gehört hat. Oder man hätte gern ein bißchen Biotop dazu, um das Tier in seinem Umfeld zu zeigen -  nur Großaufnahme ist auch nicht immer das Wahre. Warum haben wir - ganz selbstverständlich - im niedrigeren Brennweitenbereich Zoom-Objektive? Na klar - zur besseren Bildgestaltung! Schon Fritz Pölking hat sich 1995 in seinem Buch "Naturfotografie-Tiere,Pflanzen,Landschaften" ein Tele-Zoom mit 4.0 200-500 mm gewünscht, das es damals noch nicht gab.

Eines Tages war es soweit, daß ich mir das Sigma 300-800 anschaffen konnte. Nun denn, es wiegt 5,88kg, die man nicht freiwillig spazieren trägt. Fahre ich in den Seewinkel, macht es im Auto kein Problem - auch nicht, wenn ich es vor Ort ein Stück tragen muß. Möchte ich aber z.Bsp. am Obertauern das rotsternige Blaukehlchen aufnehmen, so hab ich eine 2-rädrige Alu-Schubkarre, auf die ich mein Objektiv (dessen Transportbehälter 65cm hoch ist und 25cm im Quadrat Querschnitt hat) und das Stativ befestige - ein Manfrotto 525MVB mit 501HDV Videokopf - gegenüber früheren Lösungen jetzt relativ leicht, sehr stabil und hoch ausfahrbar. Am Rücken hab ich im Rucksack die restliche Ausrüstung, die ich brauche und so wandel ich gemütlich bergwärts. was sogar in meinem Alter locker geht!

 Zu Beginn, als ich mir das Objektiv ganz genau anschaute, entdeckte ich, daß bei einem bestimmten Blickwinkel bei entsprechender Beleuchtung drei fast halbkreisförmige feine Linien auf einer hinteren Linsenfläche zu sehen waren. Kein Zweifel - es  waren keine Reflexe, es sind bogenförmige "Ritzungen" - Überbleibsel vom Schleifprozeß? Im Fotogeschäft, wo ich das Objektiv erstanden hatte, wollte der Chef nichts sehen, ebensowenig seine "rechte Hand", nur ein Verkäufer sah sie und sein Kommentar war trocken: wir können das Objektiv schon einschicken, aber in Deutschland können die nichts machen, das wird nach Japan eingeschickt, wenn es als Fehler anerkannt wird und das dauert dann Monate, bis ich es wieder habe. Ich hatte verstanden! So beschloß ich, selber meine "Tests" zu machen, wobei ich mir ziemlich sicher war, daß diese hauchfeinen Linien die Gesamtbildqaualität wahrscheinlich nicht wirklich sichtbar negativ beeinflussen würden. Und so war es auch!

 Zuerst noch einmal die Vorteile eines derartigen Zoom-Objektivs: wenn man wie ich fast jährlich im Seewinkel unterwegs ist und vorrangig Video-Aufnahmen macht, taucht immer wieder das Problem auf, daß ein Eisvogel im Schilf oder eine Rohrdommel vor der Schilfwand steht oder ein Baumpieper aus dem Laubgewirr sein Lied vorträgt, mit dem Feldstecher auch zu sehen ist, aber mit einem 5ooer an der Videokamera lange nicht gefunden werden kann, weil der Bildwinkel so klein ist, daß keinerlei Übersicht im Sucher der Videokamera vorhanden ist. Mein Leuchtpunkt-Sucher ist auch nur eine halbe Sache - den muß ich in den Blitzschuh stecken und hat zuviel Spiel, als daß er sofort Erfolg brächte. Und manche Motive machen nicht solange mit, bis ich sie endlich im Sucher habe, sondern haben sich vorher schon verabschiedet! Mit dem Zoom kein Problem: ich dreh auf 300 mm und hab soviel Übersicht, daß ich mich orientieren kann, stell meinen Vogel ins Zentrum und mit einem Dreh passe ich ihn meinem Sucher an! Mit dem Autofokus hab ich noch nie Probleme gehabt - er ist sowohl bei Foto wie Video schnell genug für mich.

Wer an der Leistung eines Zoom zweifelt, wenn er es einer Festbrennweite gegenüber stellt, hat recht, da das Sigma 300-800 18 Linsen braucht, das Canon 500 1:4,4 L USM dagegen 8 Stück. Brillanz und Auflösung müssen da hinten bleiben. Aber unter günstigen Umständen ist das vielleicht nicht einmal wahrnehmbar! Dazu habe ich den Test gemacht: ich habe einen Siemensstern und eine kleine Testtafel für astronomische Teleskope auf DIN A4 zusammenkopiert und habe sie aus 16 Metern Entfernung mit einer Canon 50D bei Blende 8 mit beiden Objektiven aufgenommen und die Aufnahmen anschließend ident bearbeitet -  hier das Ergebnis, wenn auch nur in bescheidener Auflösung:

 Sigma-

       

Das ist das Objekt mit dem Sigma 300-800 bei 500mm aufgenommen:

 

 

 

 

 

Aus diesen Aufnahmen habe ich die DIN A4Sigma - Tafeln formatfüllend herausvergrößert.

 

 

 

 

 

 

 

 

Zuesrt das Sigma 300-800 bei 500mm:

 

 

 

 

 

     

                                                                                                                           Canon

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

und hier die Aufnahme der CANON 500mm -Optik. Natürlich ist die Schärfe-Leistung höher (kleinerer Unschärfekreis im Siemensstern), aber das Sigma liefert bildmäßig - siehe auch die Auflösung der Doppelsterne auf der kleinen astronomischen Testtafel links unten, sowie des Schriftbildes - eine nahe heranreichende Leistung!

 

Zum Vergleich stelle ich noch eine Aufnahme mit dem CANON 100-400 - bei 400mm, die unter identen Bedingungen aufgenommen wurde, maßstabsgetreu dazu:

100-400k

Doch auch nicht schlecht - und ich glaube, man kann den "Spaß-Faktor" an den angeführten Optiken in etwa nachvollziehen!? Noch 2 Bildbeispiele - Flußregenpfeifer und Flußuferläufer - mit dem Sigma 300-800 aufgenommen:

 

 Flussregenpf.-Paar

Fluuferlufer

Kommentare  

#3 FrogFotoBernd 2014-01-08 12:42
Hallo aus Hamburg

Habe das Sigma 800er nun 3 Jahre und bin sehr zufrieden damit.Habe damals nur 4800
Euros bezahlt u.es war nur 1 Mal zu viel Brennweite (Störche) ich nutze oft Blende 8
dann ist es besser,als bei Offenblende...
Kameras sind Nikon D800 u.D7100 mit 1,5 Cop,Videostativ Manfrotto 545 Doppelrohr
und Fluidkopf 504 damit klappt es,weil es hat ja keinen STABI...Fotos dazu auf unsere Homepage unter Fotoausrüstung.
Grüsse aus HH : Erika und Bernd
#2 Atze 2013-10-16 20:21
Macht es Sinn ein gebrauchtes 300-800 er zu kaufen?, oder ist das eher Lotto??? Möchte mir auch eins zu legen oder doch lieber ein 800 er fest?? Was sagen Sie aus Erfahrung dazu?? Danke....
#1 Guest 2011-11-25 11:20
Hallo

Ich bin auch ein solcher "Spinner" mit mehreren Objektiven und Bodys. Ich arbeite momentan mit Canon-Produkten und überlege mir die Anschaffung des Sigma 800mm auf eine EOS 7D.

Was halten Sie von dieser Idee? Sie haben Erfahrungen mit dem Sigma 300-800 und ich denke, dass Sie mir hier, bezüglich Qualität und Risiken sicher einen Feedback geben können.

Herzliche Grüsse
Daniel

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